Introduction
Abstract, overlay, experiment; these three concepts are representative of the intension behind Sven Egert’s artistic work (* 1980 in Chur). For years, the Swiss artist with roots in the Grisons region has dedicated himself to free painting, which he further developed with various techniques and materials. It is an experimental and multi-stage work process that leads to the production of new pieces. He paints, sprays, glues, collages and often in several layered layers. Sven Egert uses various materials such as canvas, glass, plastic mats, styrofoam or photographed artwork as image carrier. The process he uses is to examine the reciprocal interaction of the application of materials, while considering the possibilities of the interpretation of shape.

When looking at his works, the closeness to the graffiti and spraying scene is striking. This comes from the early years of his youth, when Sven Egert gained his first painting and drawing experiences during nocturnal adventures. Over the years, he has been able to develop a distinct personal style that gives his work a high degree of recognition. Sven Egert’s work captivates with its multitude of individual shapes and colors, without resorting to objectivity. Rather, his abstract works are a complex interplay between foreground, medium and background, which simultaneously create an ambivalence between transparency and opacity.

 

Untitled, 2017
In the new collection «Untitled», Sven Egert experiments with changes in the surface texture of foamed plastics. The starting material is a special kind of expanded polystyrene (EPS), which is mainly used for the production of architectural models. The light blueish, slightly-porous ground substance of the material is covered in advance with various stencils and adhesive structures in order to dust them with a chemical-corrosive substance (nitro thinner). The result is a unique, subtle change in the surface texture, which evokes an elevation difference in some places. Partial etching destroys certain polystyrene layers, while others remain through the adhesive covering and, in the final interaction, create a novel surface structure. The artistic process involves targeted and controlled damage to the material in favour of a changed design.

 

Sculptures/3D Objects
Also made of polystyrene (styrofoam) are the three-dimensional sculptures, which Sven Egert developed as a continuous production series. The artist processes the raw material with chemical solvents, thus breaking down the stability of the polystyrene structure. The result is a transformation of the original form, creating a decaying, karst-like substance, which he then covers with black or silver paint. The hardness of the material influences the new design language as well as the quantitative use of the chemicals.

 

Plastic mats
In several works, Sven Egert combines his painting with various plastic mats. These mats are usually used as drainage systems, in the interior of automobiles or as special plastic floor coverings, which allow winter sports activities such as ski jumping and cross-country skiing in the summer months. In the first step, Sven Egert uses a matt lacquer spray paint on cardboard and glass to create abstract image forms that change between splinter-like and roundish. The work is then overlaid with plastic and rubber mats, with round, angular and wavy patterns that partially cover the background, monochrome spray surfaces. The result is a material and colour interplay between foreground and background, which is able to visually irritate the eye of the beholder. The assemblages, a mixture of painting and three-dimensional objects on a flat image carrier, look like digital maps with a relief character and a sensory perception.

 

Glass as picture carrier / Glass as frame
In the three-part series «Plastic Karma», Sven Egert applies a reciprocal design process by additionally adding a sprayed glass plate over the plastic mats. The works are condensed into a multi-layered composition of color, plastic and glass. This multifunctional material application results in a design layer interplay, resulting in a pronounced depth of field look through.

German by Michael Sutter
Date: September 2017

Einleitung
Abstraktion, Überlagerung, Experiment; diese drei Begrifflichkeiten stehen stellvertretend für die Intension der künstlerischen Arbeit von Sven Egert (*1980 in Chur). Der Schweizer Künstler mit Wurzeln im Bündnerland widmet sich seit Jahren der freien Malerei, die er mit verschiedenen Techniken und Materialien weiterentwickelt. In der Regel handelt es sich um einen experimentellen und mehrstufigen Arbeitsprozess, der zur Produktion neuer Werkserien führt. Er malt, sprayt, klebt, collagiert und dies oftmals in mehreren übereinandergelegten Schichtungen. Als Bildträger verwendet Sven Egert diverse Materialien wie Leinwand, Glas, Kunststoffmatten, Styropor oder abfotografierte Druckvorlagen. Dabei untersucht er in seiner prozessualen Arbeitsweise einerseits die gegenseitige Wechselwirkung der Materialanwendung, andrerseits die Interpretationsmöglichkeiten der Formensprache.

Bei der Betrachtung seiner Werke fällt die Nähe zur Graffiti- und Sprayerszene auf. Diese stammt aus den früheren Jugendjahren, als Sven Egert auf nächtlichen Streifzügen erste malerische und zeichnerische Erfahrungen sammelte. Über die Jahre vermochte der Künstler eine signifikante Handschrift zu entwickeln, die seinen Arbeiten einen hohen Wiedererkennungscharakter verleiht. Das Gesamtwerk von Sven Egert besticht durch die Vielheit an individuellen Formen und Farben, ohne dabei auf die Gegenständlichkeit zurückzugreifen. Vielmehr handelt es sich bei seinen abstrakten Arbeiten um ein veritables Zusammenspiel zwischen Vorder-, Mittel- und Hintergrund, was gleichzeitig eine Ambivalenz zwischen Transparenz und Undurchsichtigkeit hervorruft.

 

Untitled, 2017
In der neuen Werkgruppe «Untitled» befasst sich Sven Egert mit Veränderungen der Oberflächenbeschaffenheit von Schaumkunststoffen. Das Ausgangsmaterial ist eine spezielle Art expandiertes Polystyrol (EPS), das vorwiegend für die Fertigung von Architekturmodellen verwendet wird. Die hellbläuliche, leicht poröse Grundsubstanz des Materials überdeckt der Künstler vorab mit verschiedenen Schablonen und Klebestrukturen, um sie anschliessend mit einer chemisch-ätzenden Substanz (Nitroverdünner) zu bestäuben. Das Resultat sind einzigartige, subtile Veränderungen der Oberflächenbeschaffenheit, was an einigen Stellen einen Reliefcharakter evoziert. Durch die partielle Ätzung werden gewisse Polystyrol-Schichten zerstört, andere bleiben durch die Klebeabdeckung bestehen und erzeugen im finalen Zusammenspiel eine neuartige Struktur der Oberfläche. Beim künstlerischen Prozess handelt es sich um eine gezielte und kontrollierte Schädigung des Materials zu Gunsten einer geänderten Formgebung.

 

Skulpturen/3D-Objekte
Ebenfalls aus Polystyrol (Styropor) bestehen die dreidimensionalen Skulpturen, die Sven Egert als fortwährende Produktionsserie entwickelt. Das rohe Ausgangsmaterial bearbeitet der Künstler mit chemischen Lösungsmitteln und lässt somit die Struktur des Polystyrols in seiner Stabilität aufbrechen. Das Resultat ist eine Transformation der ursprünglichen Formgebung, wobei eine zerfliessende, karstartige Substanz entsteht, die vom Künstler anschliessend mit schwarzer oder silberner Farbe überzogen wird. Der Härtegrad des Materials beeinflusst die neuartige Formensprache ebenso wie die mengenmässige Anwendung der Chemikalien.

 

Kunststoffmatten
In mehreren Werken kombiniert Sven Egert seine Malerei mit verschiedenen Kunststoffmatten. Die im Baumarkt erhältlichen Fussabtreter werden normalerweise eingesetzt als Drainagesysteme, bei Innenraumausstattung von Automobilen oder als Spezialkunststoffmatten, die Wintersportaktivitäten wie Skisprung und Langlauf in den Sommermonaten ermöglichen. In einem ersten Schritt konstruiert Sven Egert mit einer matten Lacksprühfarbe auf Karton und Glas abstrakte Bildformen, die zwischen splitterartig und rundlich-weich changieren. Darauf werden die Arbeiten mit Kunststoff- und Gummimatten überlagert, deren runde, eckige und wellenförmige Musterungen die hintergründigen, monochromen Sprühflächen partiell abdecken. Es entsteht ein materielles und farbliches Wechselspiel zwischen Vorder- und Hintergrund, welches das Auge des Betrachters optisch zu irritieren vermag. Die Assemblagen – eine Mischung aus Malerei und dreidimensionalen Objekten auf einem flachen Bildträger – wirken wie digitale Landkarten mit Reliefcharakter mit einer haptischen Wahrnehmung.

 

Glas als Bildträger
In der dreiteiligen Werkserie «Plastic Karma» wendet Sven Egert einen reziproken Gestaltungsprozess an, indem er zusätzlich über die Kunststoffmatten eine besprühte Glasplatte hinzufügt. Auf diese Weise verdichten sich die Arbeiten zu einer mehrschichtigen Komposition von Farbe, Kunststoff und Glas. Diese multifunktionale Materialanwendung führt zu einem Zusammenspiel der Gestaltungsebenen, was zu einer ausgeprägten Durchsicht mit Tiefenschärfe führt.